Eine Pilgerreise in die Religionsgeschichte

Je weiter der Weg von Santiago de Compostela wegführte, umso verschlungener wurde er. Zahlreiche Spuren und Hinweise deuten darauf hin, dass im Mittelalter Pilger auf Jakobswegen durch die Kurpfalz kamen.
Von Speyer aus konnte man eine Nord- und Südroute nachvollziehen, die fünfzehn Pfälzer Regionen streifen. Nähere Informationen gibt die Stadt Speyer in einem Heft, das auch Möglichkeiten zur Einkehr und Übernachtung aufzeigt. Außerdem werden Pauschalangebote auf einem dieser Wege, der durch die „weiße Muschel auf blauem Grund“ gekennzeichnet ist, unterbreitet.


„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“
Die wohl bekanntesten Gotteshäuser in der Kurpfalz sind der Speyerer Dom und die Heiliggeistkirche in Heidelberg. Die Gretchenfrage „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ wurde auch in der Universitätsstadt gestellt, und wie sehr die Universität und die Stadt Heidelberg im Spätmittelalter und beginnender Neuzeit in den Religionsstreit gezogen wurden, zeigte bis 1936 eine Mauer, welche die Kirche in eine katholische und eine evangelische Hälfte teilte. Die sechs barocken Eingänge stammen ebenfalls aus dieser Zeit, denn wer getrennt beten wollte, brauchte gefälligst auch eine eigene Tür.
Macht und Feudalismus zeichneten die Lebensweise der Herrscher wie Kaiser, Könige und Kurfürsten aus. Ihr Wort bedeutete Gesetz, und so war auch die Konfession von der jeweiligen Obrigkeit geregelt. Der kleine Bürger hatte sich zu fügen und je nach Geheiß eine katholische oder eine protestantische Kirche zu bauen. Die Reformationszeit brachte den Einbruch der Macht, welche auch die Kirchenführer zur damaligen Zeit innehatten, mit sich. Eine Folge war die Stärkung der Fürstentümer – vor allem in der Pfalz, in Hessen und Württemberg.
Im Jahre 764 wurde das Kloster Lorsch erstmals urkundlich erwähnt. Im Rahmen der Reformation wurde es geschlossen, seine Bibliothek gliederte Kurfürst Ott-Heinrich sofort der Bibliotheca Palatina in Heidelberg ein. Die Königshalle ist das einzige aus der Karolingerzeit erhaltene Bauwerk und Weltkulturerbe der UNESCO. Im Bereich des ehemaligen Klosterfriedhofs wurde vor einigen Jahren ein Kräutergarten angelegt, der anschaulich in enger Verbindung zum „Lorscher Arzneibuch“, einer 150-seitigen Sammlung medizinisch-pharmazeutischer Texte aus dem Jahre 795, steht.
In Lorsch begegnet dem Besucher Geschichte auf Schritt und Tritt, und mit neugieriger Zugewandtheit lässt sich spüren und erahnen, was vor mehr als tausend Jahren hier lebendig war und Heute hieß. Die klostergeschichtliche Abteilung des Museumszentrums beherbergt eine große Anzahl interessanter Exponate. Vieles, was in den Töpfen unserer Vorfahren brutzelte, ist dagegen heute kaum noch bekannt. Doch bei Kochkursen mit zeitgetreuen Zutaten, veranstaltet vom Kloster Lorsch, kann man auf Rezept-Entdeckungsreise bis ins Mittelalter gehen.
Internet: www.kloster-lorsch.de


Neben den heute noch vorhandenen Klosterbauten der Zisterzienser im bis 1142 unbesiedelten Tal „der schönen Au“ präsentieren sich einige Ausgrabungsorte im idyllischen Steinachtal im Odenwald als historische Schaufenster. Das Kloster wurde ebenfalls im Rahmen der Reformation 1558 aufgelöst.
Ein besonderes Highlight ist die Hühnerfautei aus dem Jahre 1252, die als besterhaltenes Profangebäude des Hochmittelalters in Deutschland gilt. Das Café Baden, neben der Hühnerfautei gelegen, vom Namen der historische Nachfolger der „Kurpfalz“, serviert heute noch den traditionellen Klosterteller mit Zanderfilet. Das Wasser dieses kleinen Flüsschens war in früherer Zeit so weich, dass unter Kurfürst Carl Theodor 1760 zwischen Altneudorf und Schönau eine Perlenzucht eingerichtet wurde.
Internet: www.schoenau.com


Kloster Neuburg      Die Benediktinerabtei Neuburg liegt im vorderen Neckartal an der schönsten Zufahrt in die Universitätsstadt Heidelberg. Zur Zeit leben 17 Mönche nach der Regel des Hl. Benedikt in der Abtei. Gäste sind jederzeit zur Teilnahme an der Liturgie und zum Gespräch eingeladen. Neben ihrem Dienst innerhalb der Gemeinschaft verrichten die Mönche ihre Arbeit in den klösterlichen Betrieben und in der Seelsorge.


Schon 1130 kamen Mönche von der Reichsabtei Lorsch bei Heppenheim hierher. In diesem Jahr wird das Kloster erstmals urkundlich erwähnt. Später waren es Klosterfrauen, die an diesem Ort in Gemeinschaft ein Leben des Gebetes führten. Nach der Reformation dienten die Gebäude unterschiedlichen Zwecken und kamen schließlich 1804 in Privatbesitz. 1926 erwarb die Erzabtei Beuron das „Stift“, wie die Heidelberger das ehemalige Kloster nannten, und besiedelte es neu.      Mönche

Klostergärten sind Oasen der Besinnung und Ruhe. Hier über dem Neckar ziehen die Mönche nicht nur Heilpflanzen und Kräuter, sondern betätigen sich darüber hinaus auch als Botaniker, was sie im Laufe der Zeit zu kundigen Gärtnern werden ließ. Blumen, Stauden und Zubehör werden in dem schmucken Hofladen angeboten.

In Maßen aber dennoch gut zu essen, ist auch im Leben eines Mönchs nicht unwichtig. Auf die Natürlichkeit und Frische der Speisen Wert zu legen, entspricht klösterlicher Lebensart. Der Hofladen der Abtei bietet deshalb auch Lebensmittel u. a. aus ökologischem Anbau an. Die Produkte stammen aus eigener Herstellung und aus anderen Klöstern.
Öffnungszeiten: Mo – Fr 9 - 13 Uhr u.14:30 - 18 Uhr, Sa 9 - 16 Uhr


Das schönste historische Bürgerhaus

     Der Tuchhändler und hugenottische Glaubensflüchtling Charles Belier und seine Ehefrau Francisca ließen 1592 das Giebelhaus in der Heidelberger Hauptstraße, gegenüber der Heiliggeistkirche, aus gehauenem Stein erbauen und mit kannelierten Säulen und kunstvoll gemeißelten Fensterblöcken versehen. Die beiden hatten als Calvinisten Frankreich den Rücken gekehrt und 1572 in der Heidelberger Residenz des Kurfürsten Friedrich III. eine neue Heimat gefunden. „Persta invicta, Venus“ – „Bleibe stets unbesiegt, Schönheit“ – in goldenen Lettern sind diese Worte in den Giebel des heute unter Denkmalschutz stehenden Renaissance-Bauwerks eingelassen. Neben zahlreichen anderen Details finden sich in der Fassade des heutigen Hotels „Zum Ritter St. Georg“ Bildnisse der Familie Belier.

Zwischen dem zweiten und dritten Stock sind der Erbauer selbst sowie seine Frau und seine Familie mitsamt ihrer Wappen verewigt, einmal ein aufrecht stehender Widder, auf französisch belier, und einmal zwei Fische als Wappen der Frau. Die Fenster darunter bilden den Rahmen für die Brustbilder der beiden Kinder der Beliers, ein Sohn und eine Tochter und als Wappenbild ebenfalls zwei Widder.

Die Brüstung der Mittelachse lässt in der Übersetzung folgende Worte erkennen: „Wo der Herr nicht das Haus baut, arbeiten umsonst, die daran bauen.“ „Gott allein zu Ehren – Soli Deo Gloria“ und weisen auf die Religiosität des Bauherrn hin. Die zweiundzwanzigeinhalb Meter hohe Fassade wird gekrönt von der Büste eines geharnischten Ritters. Die architektonische Schönheit und Eleganz des Renaissance-Baus machen den „Ritter St. Georg“ zum schönsten historischen und gleichermaßen wertvollsten Bürgerhaus der Stadt Heidelberg. Zu jeder Zeit waren sich die jeweiligen Besitzer des Hauses auch bei der Gestaltung der Räume hinter der prachtvollen Fassade der Aufforderung „Persta invicta, Venus“ bewusst. Bereits vor über dreihundert Jahren entstand eine „Herberge für begüterte Durchreisende“.


Im Mai 2017 öffnen sich in den Reiss-Engelhorn-Museen die Pforten der Sonderausstellung „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“. Ein Jahr vor Beginn der Präsentation laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Vier Tagungen legen das wissenschaftliche Fundament der Ausstellung. Den Reigen beschließt ein internationaler Kongress in Mannheim, auf dem am 28. und 29. April 2016 namhafte Wissenschaftler wichtige Fragestellungen aus historisch-theologischer Perspektive diskutieren.

Mehr Infos unter
www.rem-mannheim.de und www.paepste2017.de

     rem Papstgeschichten 2017



    
 
 
  




   

 

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