Kurpfälzer Geschichte

Friedrich   Eine bewegte und bewegende Geschichte links und rechts des Rheins
 

Die Kurpfalz blickt auf eine ebenso lange wie bewegte Geschichte zurück. Der Name Pfalz geht auf das lateinische Palatium zurück, die Bezeichnung eines der sieben Hügel im alten Rom. Er wurde zunächst von der dort befindlichen Residenz der Kaiser übernommen, danach auch von anderen Herrschaftszentren des Imperium Romanum und seines nachfolgenden Reiches. Ein Pfalzgraf trat erstmals im 6.Jahrhundert in Frankreich auf den Plan.
Er hatte die Administration des Königshofes unter seiner Verantwortung. Nach dem„comes palati" gab es im 10. Jahrhundert den „comes palatinus", den jetzt so genannten Pfalzgrafen im ostfränkisch-deutschen Reich. Die lothringischen Pfalzgrafen kürten im 11. Jahrhundert das Gebiet Mittelrhein-Mosel zu ihrem Herrschaftszentrum, und wiederum wandelte sich der Name zu „comes palatinus de Reno".
Nachdem 1214 König Friedrich II. den bayerischen Herzog Ludwig I. mit der rheinischen Pfalzgrafschaft belehnt hatte, blieb die Pfalz über hundert Jahre eng mit Bayern verbunden. Erstmals 1233 kommt der Landesname „Palatia" auf.
Der Pfalzgraf hatte im Reich eine herausragende Stellung. Dabei war das Recht,im Verbund mit weiteren sechs Kurfürsten den König zu wählen, wohl das höchste Privileg. Zuerst wurde Heidelberg, wo 1386 die im heutigen Deutschlandälteste Universität gegründet wurde, Residenz der Kurfürsten. Den Gipfel kurpfälzischer Macht erreichte die Regierung von Friedrich I., auch der Siegreiche genannt.
Mitte des 15. Jahrhunderts (1556-1559) führte Kurfürst Ottheinrich die lutherische Reformation in der Kurpfalz ein. Im protestantischen Deutschland beanspruchten die Kurfürsten eine Führungsrolle. Durch die Politik von Friedrich IV. und dessen Nachfolger Friedrich V., der 1619 zum böhmischen König gekrönt wurde, kam es zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges. In seinem Verlauf ging die Pfalz vorüber gehend unter, die Pfälzische Kurwürde wurde dem wittelsbachischen Herzog von Bayern verliehen.
Schweres Leid brachten auch die Kriege Ludwigs XIV. mit sich. Die Pfalz wurde von General Melac dem Erdboden gleich gemacht. Ab 1720 nahm das benachbarte Mannheim die Stellung einer kurpfälzischen Residenzstadt ein. 1742 folgte Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach, der 1777 auch Kurbayern erbte und aus diesem Grund nach München zog.
Seit der Verbandsgründung einer länderübergreifenden europäischen Metropolregion im Jahre 2005 zwischen Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wird von Politik und Wirtschaft versucht, den gesellschaftlich und wirtschaftlich zusammen gehörenden Raum von Pfalz und Kurpfalz wieder zusammenzuführen.

Der Kurpfälzer
Er ist ein rechtschaffener und erdverbundener Mensch, ein bisschen eigenwillig bis schroff, aber mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. So fragt der eine den anderen nach einem ausgiebigen Disput: „Sin mer wieder gut?“, worauf dieser antwortet „Ja, aber der Zorn bleibt“.
Die „Pfälzer Sproch“ ist ein rheinfränkischer Dialekt, und mancher Besucher von auswärts tut sich nicht leicht daran, sie zu verstehen oder gar Redewendungen richtig zu deuten.




Liselotte von der Pfalz
Sozusagen eine Vorzeige- und Urpfälzerin war Liselotte von der Pfalz, die aus Staatsraison mit dem Bruder Ludwigs XIV. verheiratet wurde. Elisabeth Charlotte, Duchesse d´Orléans – der Name lässt französische Noblesse vermuten und alles, was damit einhergeht, wie z.B.Grazie und Distinktion. Doch Liselotte blieb auch nach dem Umzug an den verhassten französischen Hof das, was sie immer gewesen war, nämlich ein von all ihren Landsleuten geliebtes Pfälzer Schlappmaul, dem Urwüchsigkeit und Natürlichkeit einen Charme verliehen, der in dieser Zeit wohl einzigartig war. Mit Herz, Verstand und viel Heimweh in der Seele schrieb sie denn auch in ihrer unverwechselbaren und unverblümten „Sproch“ vermutlich 60.000 Briefe, von denen etwa 6.000 erhalten sind. Den Unbilden des Lebens setzte sie ihr pfälzisches Mundwerk entgegen. Eine starke Frau, die nichts von Emanzipation wusste und das Leben doch beispielhaft meisterte. Ihre Heimat sollte sie nie wiedersehen.

Liselotte




Unterkiefer

Der "homo heidelbergensis"
Der allerälteste, uns – wenn auch auf ganz andere Weise – bekannte Kurpfälzer war ohne Zweifel der homo heidelbergensis, der Heidelbergmensch. Sein Unterkiefer wurde 1907 in einer Sandgrube bei Mauer ausgegraben. Für die damalige Zeit war dieser Fund des Arbeiters Daniel Hartmann eine Sensation. Wahrscheinlich erkannte er die Bedeutung seiner Entdeckung sofort, denn er rief „Heit hawisch de Adam gfunne!“.


    
 
 
  




   

 

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