Pfalzgraf Ruprecht I. gewährt den Juden Asyl in Heidelberg

Auch in Heidelberg lässt sich die Geschichte der jüdischen Gemeinden bis in das 13. Jh. zurückverfolgen: „Der Edelfreie Konrad von Strahlenberg befreit einen Weinberg bei Schriesheim, der der Witwe des Juden Moysi von Heidelberg gehört, von allen Forderungen und Abgaben. Doch je nach Laune des Pfalzgrafen werden die Juden wohlwollend aufgenommen oder mit Gewalt vertrieben.  Unter dem besonderen Schutz des Pfalzgrafen Ruprecht I. entwickelte sich eine „bedeutende jüdische Gemeinde mit Synagoge und Friedhof am Fuße des Geisbergs“ in Heidelberg. Als die Pest in Europa wütete, schrieb der Volkszorn diese Krankheit den „brunnenvergiftenden Juden“ zu, die Juden wurden teilweise erschlagen oder vertrieben, der Besitz beschlagnahmt. Einzig der Pfalzgraf blieb seiner Politik treu und gewährte den geflohenen Juden gegen hohes Entgelt Asyl in Heidelberg. Nicht nur mit den erhobenen Judensteuern, sondern auch mit großzügigen Darlehen, half ihm diese neu entstandene jüdische Gemeinde sein Territorium in der Kurpfalz.

Sein Nachfolger, Ruprecht II., war kaum ein Jahr im Amt, da verjagte er sämtliche Juden aus der Kurpfalz und schenkte alle Besitztümer der Universität Heidelberg. Selbst die Synagoge, die in der Schenkungsurkunde als Judenschule bezeichnet wird, wurde Weihnachten 1391 vom Wormser Bischof feierlich zur Marienkapelle umgeweiht. 1401 entstand gar für alle nachfolgenden Pfalzgrafen der Grundsatz, nie wieder Juden zu dulden oder gar nieder zu lassen, selbst nach der Zerstörung der Stadt 1689 taten die damaligen Bürger alles, um eine Ansiedlung der Juden zu vermeiden. Dennoch gab es immer wieder Ausnahmen für einzelne Familien wie z. B. den berühmten „Jud Süß“ (Joseph Süß Oppenheimer), der dem Württemberger Herzog Karl Alexander durch Münzmanipulationen und dem Verkauf von Ämtern und Titel immer wieder äußerst lukrative Geldquellen erschloss ...

Auf dem 2001 neu gestalteten Synagogenplatz stand das von den Nationalsozialisten in der Porgromnach am 10. November 1938 niedergebrannte jüdische Gotteshaus. Der Architekt Hermann Behaghel hatte die 1877/78 errichtete Synagoge entworfen, nachdem der seit 1714 im ehemaligen Haus „Zur blauen Lilie“ untergebrachte Betsaal zu klein geworden war. Nach der Judenverfolgung und Ermordung in der NS-Zeit erhielt die neugegründete jüdische Gemeinde erst 1951 das Grundstück, auf dem einst die Synagoge stand, zurück, verkaufte es jedoch 1955 wieder der Stadt. 1978 wurde der zunächst als Parkplatz genutzte Bereich zu einem Park umgestaltet. Die von der Stadt Heidelberg mit Unterstützung einer Bürgerinitiative neu gestaltete Gedenkstätte zeigt in weißmarmorner Pflasterung den Grundriss der zerstörten Synagoge. Grauer Granit markiert ihre Fenster und Eingangstür. Zwölf teilweise beleuchtete Sandsteinwürfel stellen die ehemaligen Sitzbänke dar und erinnern an die 12 Stämme Israels.


    
 
 
  




   

 

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