Der "Heilige Berg" - Heiligtum oder Heidentum

Heiligenberg   
Nach diesen Ausgra-bungen zu urteilen, war St. Michael eine gewaltige Anlage  

Weniger bekannt ist auch das ehemalige Kloster St. Michael auf dem Heiligenberg. Bereits um 1000 v. Chr. ließ man sich auf dem „heiligen“ Berg nieder und schützte sich durch einen umfangreichen doppelten Ringwall. In der Römerzeit entstanden die ersten gut ausgestatteten Steinbauten. Die Erinnerung an das Gipfelheiligtum der Heiden überdauerte selbst die Völkerwanderung. Um 600 n. Chr. begann man, die antiken Baureste als Begräbnisstätte zu nutzen. In der Karolingerzeit entwickelte sich über ihnen eine Gruppe von festen Steinbauten, vielleicht gar der Sitz eines Vertreters des Königs, denn im Jahr 882 soll „Aberinsburg“ – so der Name des alten Klosters – Besitz der Abtei Lorsch geworden sein. Es muss eine gewaltige Anlage gewesen sein, denn die Anlage einer zweiten Krypta, die Abmessungen der flankierenden Treppentürme, die Anlage eines östlich hinter der Kirche (nicht wie meistens seitlich) zeugen von der Größe des Klosters.

Doch so bedeutend seine Bauten waren, ist St. Michael nie selbständig gewesen, sondern eine Propstei des Kloster Lorsch und erlitt deshalb das gleiche Schicksal: Im 13. Jh. nahm Erzbischof von Mainz bekanntlich alle Lorscher Klöster an sich und besetzte sie neu mit Prämonstratensern, einem 1120 in Prémontré gegründeten katholischen Mönchsorden. Diese bauten das Kloster mehrmals um und teilweise sogar neu auf. Das bedeutendste Ereignis war die Wallfahrt zum Grab des Mönches Friedrich. In der Reformationszeit verlassen, wurde St. Michael bald zum unsicheren und Legenden umwobenen Ort. Ab 1886 begann die Wiederfreilegung und zeigte gleichzeitig die Probleme der Erhaltung und des Schutzes auf.  Dank des großen Einsatzes der Stadt Heidelberg und der Hilfe des Landes Baden-Württemberg wird man weiterhin alles versuchen, die bedrohten Bauteile zu sichern.

   Heiligenberg
  Der Aussichtsturm bietet einen herrlichen Blick in die Ebene und das Neckartal

Ein weiteres bemerkenswertes Kloster entstand auf dem Südgipfel des Heiligenberges: Um 1090 gründete der Benediktinermönch Arnold das Stephanskloster. Die Abtei bestand zunächst aus einer Klause mit zugehöriger Kapelle. Im 12. Jh. soll eine Stiftung zur Reparatur des Dachs der Klosterkirche eine Patronatserweiterung zu Ehren des Heiligen Laurentius stattgefunden haben. Doch auch dieses Kloster wurde um die Mitte des 13. Jh. von Prämonstratensern aus dem Schwarzwald übernommen. Mitte des 16. Jh. wurde das Kloster aufgelöst und verfiel; um 1885 entstand aus dem Steinmaterial des Klosters der Aussichtsturm – von hier hat man übrigens noch immer den herrlichen Blick in die Ebene und das Neckartal!


    
 
 
  




   

 

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