Letzte Ruhestätten

Grabstätte  
Das Grab von Anton Geiß,
1. badischer Staats-
präsident
 

Könnten Sie sich im 21. Jahrhundert vorstellen, nach dem Tod keinen Platz auf dem von Ihnen gewählten Friedhof zu erhalten? Nun, einst waren diese letzten Plätze der Ruhe tatsächlich nur den Adligen gegönnt, die nicht eine eigene Grabstätte hatten oder als Herrscher in einer Krypta begraben wurden. Kein Wunder also, wenn Sie bei einem Besuch der Friedhöfe auf überaus bekannte Namen stoßen...

Der größte und bekannteste in unserer Region ist der Bergfriedhof in Heidelberg: Gegründet um 1844 spiegelt er Kulturgeschichte und Grabkultur  wieder und zählt zu den stimmungsvollsten deutschen Friedhofsanlagen.  Hier findet man die vielfältigsten Umbrüche der deutschen Geschichte, angefangen bei der badischen Revolution über das Kaiserreich, die Weimarer Republik, auch die Zeit des Nationalsozialismus, und natürlich auch die Gegenwart. Viele der wunderschönen Grabmäler dienten in der Gestaltung nicht dem Verstorbenen direkt, sondern dem „Tod des Anderen Ausdruck“ zu verleihen. Von der griechischen Klassik über antike Formen zur Neugotik, von „glücklich lächelnden“ Engeln bis hin zu sitzenden und liegenden Trauergestalten findet man hier Grabmäler und Mausoleen einzigartiger Größe.

Das repräsentativste ist vielleicht das Mausoleum der Familie Bartholomae: Philipp Bartholomae war ein Heidelberger, der als Bierbrauer in Amerika zu großem Reichtum gelangte. Das prunkvolle Grabhaus wurde vom Weinheimer Architekten Otto Hasslinger entworfen und in Zusammenarbeit mit Granitwerken und Erzgießereien aus der Region gebaut. Einzigartig auch der Eingang: Bewacht von zwei steinernen Spinghen ...

Der sinnige Vers in einem Grabsockel „Ist ein Grab dir nach Wunsch - du Pfälzer Dichter geworden? Sicher, es ruht sich leicht hier in dem sonichem Berg! Schaue hinauf zu den Höhen, sie sind voll Wein und Kastanien, theile die Zweige nach vorn – das ist die fröhliche Pfalz!“ führt zu keinem anderen als dem verstorbenen Gottfried Nadler. Ohne diesen Pfälzer Mundartdichter gäbe es wohl kein „Fröhlich Pfalz – Gott erhalt’s“!

Vor nur wenigen Monaten – im April – haben wir übrigens eine unserer größten Gegenwart-Kurpfälzerinnen begraben: Unsere Elsbeth Janda fand ihre letzte Ruhestätte ebenfalls auf dem Bergfriedhof...

Detaillierte Informationen zum Bergfriedhof finden Sie u. a. im Buch von Leena Ruuskanen „Der Heidelberger Bergfriedhof“ aus der Buchreihe der Stadt Heidelberg Band III. (Führungen siehe Rubrik „Zu Fuß durch die Kirchengeschichte“)


 

95 Grabsteine am Platanenweg

Bischof Heinrich Hatard von Rollingen (1711-1719) ließ 1718 das religiöse Leben, die Amtsführung der Geistlichen und den Zustand der Gotteshäuser im linksrheinischen Teil seiner Diözese überprüfen. Die mit dieser Aufgabe betrauten Visitatoren bemängelten u. a., dass die Deidesheimer ihre Toten nicht auf dem geräumigen, in der 2. Hälfte des 16. Jh. westlich der Stadt angelegten Friedhof bestatteten, sondern weiterhin den kleinen Kirchhof um das Gotteshaus nutzten und dafür auch noch 5 Gulden bezahlten. Die Erklärung der Deidesheimer Bürger: Auf dem neuen Friedhof werden nur Arme und Fremde zur letzten Ruhe bestattet, da er neben dem „judenacker“ liege und „von catholischen christen keiner hinauß zur unehrlichen nachbarschaft begraben werden wolle ...“

Wann der Judenfriedhof angelegt wurde, ist leider nicht exakt bekannt (der älteste Grabstein trägt die Zahl 1700), er erlebte jedoch wie viele andere in der Region ein häufiges wechselndes Aussehen: Einige Grabsteine sind niedrig und von beträchtlicher Dicke, andere schmaler, behalten jedoch ihre Höhe bei. Nach der Jahrhundertwende begann der Aufbau von Monumenten beträchtlicher Höhen, die teils das neugotische Dekor der christlichen Grabdenkmale übernahmen. Am Abend des 10. November 1938 wurden große Teile der Grabsteine von Mitgliedern der SA demoliert und Büsche und Sträucher brutal vernichtet. Erst am 8. Februar 1946 begann man auf Weisung der französischen Militärverwaltung, den jüdischen Friedhof „in einen würdigen Zustand“ zu versetzen.

Heute ist der Friedhof am Platanenweg noch immer im Besitz der Stadt Deidesheim, ca. 800 m“ groß und steht unter Denkmalschutz. Insgesamt konnten 95 Grabsteine aus dem 18. – 20. Jh. gerettet und restauriert werden.

Nähere Informationen zu Führungen erhalten Sie bei der Touristinfo Deidesheim

 

 

Der „Heilige Sand“

Gerade die jüdische Gemeinde in Worms hat – in enger Bindung an die Nachbargemeinde Speyer – und durch zahlreiche angesehene Rabbiner großes Ansehen erlangt.

Der älteste Friedhof in der Kurpfalz ist der Judenfriedhof in Worms, der „Heilige Sand“. Ein „Gründungsdatum“ ist uns zwar nicht bekannt, jedoch ist der älteste vor Ort erhaltene Grabstein aus dem Jahr 1076. Damit wird der Wormser Judenfriedhof sogar zum ältesten erhaltenen Judenfriedhof in Europa. Weitere Grabsteine aus dem 11. Jh. erkennt man an der rechteckigen Form, den „Schreiblinien“ und der Umrahmung des Schriftfeldes. Im Vorhof des Friedhofes steht übrigens ein Brunnen für die rituelle Reinigung der Hände nach dem Besuch der Gräber. Unmittelbar neben dem hölzernen Eingangstor ist das Totengebet als Sandsteintafel in die Mauer eingelassen. Eine Wormser Eigenart ist, dass die Grabsteine alle nach Süden ausgerichtet sind ...

Die Zeit der NS-Diktatur hat der „Heilige Sand“ weitgehend unbeschadet überstanden. Imposant ist der sogenannte „Martin-Buber-Blick“ über den Friedhof und die Stadtmauer hinweg bis zum Dom – sie alle stammen aus der Zeit der Romanik und bilden eine große Einheit, obwohl man sie mit Gewalt kulturell trennen wollte.

  Grabstätte
  Das Grab von
Karl Benz

Auch die kleine Gemeinde Ladenburg hat auf ihrem Friedhof berühmte Gräber: Mit die bekanntesten Kurpfälzer unserer Zeit waren Dr. Carl Benz und seine Frau Berta. Das Familiengrab von Dr. Carl Benz (gestorben 1929) und seiner Frau Berta (1929) finden Sie natürlich in deren Heimatstadt Ladenburg. Hier erhielt der Friedhof übrigens einst  den Namen des Heiligen Martin, dem dort auch eine Kirche geweiht war (leider durch Mansfeld im Dreißigjährigen Krieg komplett zerstört). Beim Bau der neuen Leichenhalle (1958) legte man 29 Gräber aus der Merowingerzeit (um 600) frei, die zum Teil überaus kostbare Beigaben enthielten.

„Revolutionär einträchtig vereint mit Bürgermeister“

Auf dem Alten Friedhof der Peterskirche in Weinheim wird die Geschichte der Stadt präsent: Der Friedhof „St. Peter“ wurde bis 1811 und dann nochmals von 1872 bis 1893 belegt. Danach fanden noch einzelne Bestattungen statt. Auf dem 1,5 Hektar großen Areal wurden in den vergangenen 1.000 Jahren wichtige Bürger beider Konfessionen beerdigt: Friedrich Härter (führender Weinheimer Revolutionär 1802-1867), die Postmeisterfamlie Hübsch und natürlich die imposante Grabanlage des Lederfabrikanten Freudenberg. Heute zeigt sich der ehemalige Friedhof als Parkanlage mit interessanten Grabsteinen. Mehr über den „Bockwert vun Woinem“, die Familientragödie des ehemaligen Besitzers der „Fuchs’schen Mühle“ erfahren Sie bei geführten Rundgängen.

Nähere Informationen erhalten Sie bei der Tourist Information in Weinheim.


    
 
 
  




   

 

Google+ Facebook Twitter YouTube vimeo Flickr