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Wechselvolle Geschichte der kath. Pfarrkirche St. Ulrich
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Bleiben wir im pfälzischen Teil der Kurpfalz und gehen nach Deidesheim: Nikolaus von Böhl erwähnt in einem Stiftungsbrief für das Spital, dass Deidesheim einst an einer großen Pilgerstraße lag. Dies würde auch für die Darstellung des Heiligen Jacobs des Älteren sprechen, der links neben dem nördlichen Eingang der Deidesheimer kath. Pfarrkirche St. Ulrich steht. Diese Kirche ist übrigens der einzige ganz erhaltene größere Kirchenbau des mittleren 15. Jahrhunderts und in der Pfalz von großer Bedeutung. Sie steht in ihrer ursprünglichen Umgebung und bewacht Stadt und Umgebung, durch keinen anderen Bau je gestört. Natürlich wurde auch sie in ihrer über 500jährigen Geschichte von Plünderungen und Zerstörungen nicht verschont: 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen niedergebrannt, 1794 rücksichtslos ebenfalls von französischen Truppen geplündert sogar als Lager für beschlagnahmte Weine und als Militärgefängnis genutzt. Die Aufbauten der Altäre wechselten von gotisch zu barock und zurück zur Neugotik, und dennoch blieb das Kirchengebäude selbst immer erhalten. Heute besitzt das Gotteshaus als einziges in der Pfalz noch wunderschöne Glasmalereien aus dem Mittelalter. Bei den über dem nördlichen Seitenportal beschnittenen Rechteckscheiben handelt es sich um Darstellungen von Maria im Strahlenkranz sowie von der Heiligen Barbara und Katharina. Über dem südlichen Seitenportal sind zwei Rundscheiben mit der gekrönten Maria und der Heiligen Dorothea zu sehen.
Bis zum Jahr 1783 lag auch der Friedhof von Deidesheim rund um die Kirche, daran erinnern das Beinhaus, als einzig erhaltener Bau seiner Art in der Pfalz, und das Friedhofskreuz. Dies erhebt sich 6,78 m über die ehemalige Fläche des Friedhofes und wurde zusammen mit dem Korpus und der Inschrifttafel aus einem Felsblock herausgehauen.
„Gelöbniswerk St. Michael Deidesheim“
Westlich von Deidesheim, auf dem Kirch- oder Martenberg, steht ein einfacher Bau, der in seinem Kern auf die Zeit um 1470 zurückgeht: Die Michaelskapelle, geweiht dem Erzengel Michael. Auf Betreiben des Maurermeisters Michael Ramlaus wurde das zerfallene Gebäude 1662/63 wieder aufgebaut und nach Westen erweitert. Zahlreiche Stiftungen ermöglichten den Erhalt der Kapelle bis zur französischen Revolution. Erst 1952 konnte auf Betreiben des damaligen Pfarrers der Wiederaufbau durch das „Gelöbniswerk St. Michael Deidesheim“ beginnen.
Die Michaelskapelle ist eine kleine ungegliederte Anlage der Spätgotik mit fünfeckigem Chorschluss und Flachdecke. Die Ausmaße des mittelalterlichen Kirchleins lassen sich an dem Gesims ablesen, das etwas über das westliche Fenster hinausreicht. Die ursprünglichen Fenster waren übrigens zweigeteilt und besaßen Maßwerk, dessen Reste 1952 bei der Erneuerung leider beseitigt wurden. Von der Ausstattung ist das Glasgemälde des Hl. Michael im Mittelfenster des Chores bemerkenswert.
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