Hier stehe ich und kann nicht anders ...

Luterstatue in Worms   

Lutherstatue im Zentrum des größten Reformations- denkmals der Welt.

 

Die Auseinandersetzung mit bestehenden Strukturen hatte zunächst den Charakter eines wissenschaftlichen Disputes der Theologischen Fakultäten. Die Disputationen der mittelalterlichen Universitäten trugen wesentlich zur Differenzierung, Festigung und Ausbreitung der reformatorischen Gedanken bei. Zwar wurde die christliche Religion durch die Reformatoren nie grundlegend in Frage gestellt, doch die Jahrhunderte lang geltenden fundamentalen Glaubenssätze und religiöse Praktiken erfolgreich verworfen. Erstmals hatten sich weitgehend unbedeutende Personen mit ihrer geäußerten Kritik über die Kirchenhierarchie und die Autorität der Kirchen durchgesetzt. Viele Reformatoren nutzten die Möglichkeiten des Buchdrucks und veröffentlichten die Streitschriften in hoher Auflage – der bekannteste ist wohl Lucas Cranach der Ältere, der die Streitschriften Luthers und Melanchthons meisterhaft illustriert veröffentlichte...

Das Leben Martin Luthers, geboren am 10.11.1483 in Eisleben, war geprägt vor allem durch die Suche nach religiöser Erkenntnis. Ob nun dies oder – wie die Legende erzählt – ein schwerer Sturm seine Entscheidung beeinflusste Mönch zu werden, wissen wir nicht. Er trat 1505 in das Augustinerkloster in Erfurt ein und legte 1506 sein Mönchsgelübde ab. Nach der Priesterweihe (1507) begann er sein Theologiestudium und kam dadurch auch in Kontakt mit den Humanisten. Bereits in seiner Zeit als Universitätsprofessor in Wittenberg gelangte er zu der entscheidenden Erkenntnis, dass in der Kirche – und in der Welt – viele Fehler entstanden waren. Er begehrte gegen die Missstände in der Kirche auf und löste damit die heftigsten Reaktionen des Jahrhunderts aus. In 95 Thesen brachte er diese Missstände „zu Papier“ und nagelte sie an die Türen der Wittenberger Stadtkirche. Obwohl die Bewegung der Reformation bereits einige der Mächtigen des Landes erfasst hatte, musste sich Luther auf Weisung seines Kurfürsten auf der Wartburg verstecken.

Auf dem Reichstag in Worms erwarteten Kaiser und Kirche seinen Widerruf zu den Thesen, den Luther nach kurzer Bedenkzeit jedoch verweigerte: (Auszugsweise) “Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde ... kann und will ich nicht widerrufen... weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Hier stehe ich und kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen.“ Luther kann nach Wittenberg zurückkehren und seine Ideen praktisch umsetzen.

Im Heylshofgarten in Worms markiert übrigens eine Bodenplatte die Stelle, an der Luther 1521 vor dem Reichstag den Widerruf seiner Lehre verweigert hat. In Worms selbst setzte sich ab 1521 in der Bürgerschaft der Reichsstadt die lutherische Lehre immer stärker durch. Allerdings blieb Worms auch eine multikonfessionelle Stadt, in der im 18. Jahrhundert vier Glaubensrichtungen vertreten waren – Lutheraner, Katholiken, Reformierte und Juden.

Zu einer Art  Konfession zählte man im Mittelalter auch den Deutschorden: Der Deutsche Orden war u. a. seit 1273 in Weinheim ansässig. Der ursprüngliche Sitz des Ordens lag in den Kapellenäckern vor der Stadt. Als die Kommende 1308 in die Bürgerschaft der Stadt Weinheim aufgenommen wurde, errichtete man ein neues Kommendengebäude innerhalb der Stadtmauern. Reste der alten Kapelle wurden um 1840 beim Bau der Main-Neckar-Bahn abgebrochen. Auch am neuen Sitz wurde eine Kapelle errichtet. Die Bauinschrift aus dem Jahr 1350 ist erhalten. Die Kapelle am Amtshausplatz wurde nach der Aufhebung des Deutschen Ordens 1809 abgebrochen, die Steine zum Bau der lutherischen Kirche in Lützelsachsen genutzt. An die Deutschordens-Kommende Weinheim erinnert noch heute das Hauptgebäude aus dem Jahr 1710, das heute das Museum der Stadt beherbergt.


    
 
 
  




   

 

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